
Psyche, Breakdowns, viele Tränen.
Babyblues ist real.
Psychisch ist das Wochenbett die reinste Achterbahnfahrt. Durch das Hormonchaos entsteht bei vielen Frauen z.B. der Babyblues, der auch Heultage genannt wird. Es fängt oft um Tag 3 nach der Geburt an und dauert bis zu 5 Tage. In dieser Zeit können sich die Gefühle deiner Partnerin ziemlich schnell ändern, von großer Verzweiflung zu höchstem Glück und umgekehrt.
Gefühle aushalten.
Statt sie aufzumuntern oder mit Argumenten zu erklären, dass doch eigentlich alles gut ist, nimm sie einfach in den Arm und haltet das Gefühlschaos zusammen aus.
Die gesamte Situation ist komplett neu für euch. Da ist ein wenig Überforderung hier und da völlig normal für dich und deine Partnerin. Lasst es zu und sprecht darüber. Ihr werdet in eure neuen Rollen als Eltern langsam hineinwachsen.
Depression? Testet es.
Manchmal gehen die Heultage aber auch nicht vorbei, sondern direkt in eine Wochenbettdepression über. Das kann auch im ganzen ersten Jahr nach der Geburt noch passieren. Postpartale Depressionen machen sich nicht nur durch Niedergeschlagenheit bemerkbar, charakteristisch sind auch ambivalente Gefühle gegenüber dem Kind, Versagensängste, Zwangsgedanken und Stillprobleme.
Auch 5-10% der Väter bekommen eine Wochenbettdepression.
Gefühle von Vätern.
Wenigstens passiert uns Männern nichts, richtig? Leider falsch, auch Väter können eine depressive Phase haben. Das äußert sich oft in Zweifeln daran, ob das mit dem Kind die richtige Entscheidung war. Es kann auch sein, dass du nicht schlafen kannst oder deine Gedanken kreisen. Versucht darüber zu sprechen - miteinander und mit anderen oder professionellen Helfer:innen.
Ich liebe unsere Tochter - aber in der ersten Zeit nach Geburt habe ich mein altes Leben extrem doll vermisst und es an manchen Tagen sogar bereut, dass wir ein Kind bekommen haben.
Babyblues oder schon mehr? Die Warnzeichen
Die Heultage sind laut, aber harmlos. Die Wochenbettdepression ist oft leise. Deine Partnerin weint nicht unbedingt mehr, sie wird stiller. Sie funktioniert, wickelt, stillt, lächelt für den Besuch, und ist innerlich nicht da. Deshalb fällt es Vätern oft als Erstes auf, nicht ihr selbst.
Worauf du achten kannst: Sie findet seit Wochen keine Freude an irgendwas, auch nicht am Baby. Sie sagt Sätze wie „Ich bin keine gute Mutter“ oder „Das Kind wäre ohne mich besser dran“. Sie schläft nicht, auch wenn das Baby schläft. Sie hat Angst, dem Kind etwas anzutun, oder dass ihm etwas passiert, in einer Dauerschleife. Sie zieht sich zurück, von dir, von Freunden, von der Hebamme. Ein einzelner dieser Punkte an einem schlechten Tag ist Wochenbett. Mehrere davon über zwei Wochen oder länger sind ein Grund, hinzuschauen.
Der Selbsttest
Es gibt einen kurzen Fragebogen, den Hebammen und Ärzt:innen weltweit benutzen, die Edinburgh-Skala, kurz EPDS. Zehn Fragen, fünf Minuten, kein Hexenwerk. Auf smart-moms.de gibt es ihn auf Deutsch, kostenlos und anonym. Das Ergebnis ist keine Diagnose, aber ein guter Hinweis, ob ihr mit jemandem reden solltet.
Schlag deiner Partnerin den Test vor, ohne Drama. „Ich hab da was gelesen, lass uns das mal zusammen machen.“ Und dann mach ihn selbst auch. Kein Scherz. Der Test funktioniert bei Vätern genauso.
Anlaufstellen: Wen ihr fragen könnt
Erste Adresse ist immer eure Hebamme. Sie kennt euch, sie kommt sowieso, und sie weiß, wann es Zeit für mehr ist. Danach kommen Hausarzt oder Frauenärztin. Die können überweisen, an eine Psychotherapeutin oder eine Spezialambulanz, die es in vielen größeren Städten gibt. Ja, auf Therapieplätze wartet man. Aber die Wartezeit fängt erst an, wenn ihr anruft.
Online und am Telefon: Der Verein Schatten & Licht ist die deutsche Selbsthilfeorganisation für seelische Krisen rund um die Geburt, mit Infos, Beratung und Adressen von Fachleuten in eurer Nähe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym, unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Und wenn du das Gefühl hast, deine Partnerin oder du könnten sich oder dem Kind etwas antun, ist das ein Notfall. Dann 112, keine Diskussion.
Wenn es dich erwischt
Die Zahl oben ist kein Tippfehler: Auch 5-10% der Väter bekommen eine Wochenbettdepression. Bei Männern sieht sie oft anders aus als bei Frauen. Weniger Tränen, mehr Reizbarkeit. Weniger Traurigkeit, mehr Rückzug: länger arbeiten, mehr Sport, mehr Handy, mehr Bier. Dazu das Gefühl, dass alle das Baby ansehen und keiner dich fragt, wie es dir geht. Und nachts dieser eine Gedanke: Was, wenn das alles ein Fehler war.
Das ist keine Schwäche, das ist eine Reaktion auf zu wenig Schlaf, zu viel Verantwortung und eine Situation, auf die dich keiner vorbereitet hat. Es hilft dasselbe wie bei deiner Partnerin: darüber reden, mit ihr, mit anderen Vätern, mit der Hebamme. Den Selbsttest machen. Und wenn er auffällig ist, zum Hausarzt gehen und es genau so sagen. Du musst nicht funktionieren. Du musst nur dranbleiben, und dafür darfst du dir helfen lassen.
Was du konkret tun kannst:
Tränen und Gefühle miteinander aushalten.
Wenn die Heultage nicht vorbeigehen: Schlag deiner Partnerin einen Selbsttest vor und informiert euch auf der Seite smart-moms.de
Und wenn du selber das Gefühl hast, in eine depressive Verstimmung zu rutschen, mach auch du einen Selbsttest und such dir Hilfe.
Fragen, die Väter googeln
Was ist der Babyblues?
Der Babyblues, auch Heultage genannt, fängt oft um Tag 3 nach der Geburt an und dauert bis zu 5 Tage. Hormonchaos, Tränen, Stimmung im Minutentakt. Völlig normal, geht vorbei. Deine Aufgabe: in den Arm nehmen, nicht argumentieren.
Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression?
Wenn die Heultage nicht vorbeigehen, sondern Wochen dauern. Dazu Niedergeschlagenheit, ambivalente Gefühle gegenüber dem Kind, Versagensängste, Zwangsgedanken, Stillprobleme. Das kann im ganzen ersten Jahr auftreten. Dann: Selbsttest, Hebamme, Hilfe holen.
Können Väter eine Wochenbettdepression bekommen?
Ja. Auch 5-10% der Väter bekommen eine Wochenbettdepression. Sie zeigt sich oft anders: Reizbarkeit, Rückzug, Schlafprobleme, Zweifel an der Entscheidung fürs Kind. Es gilt dasselbe wie für deine Partnerin: darüber reden, Selbsttest machen, Hilfe suchen.
Wo bekommt man Hilfe bei einer Wochenbettdepression?
Erste Anlaufstelle ist eure Hebamme, danach Hausarzt oder Frauenärztin. Online gibt es Selbsttests und Infos bei smart-moms.de und beim Verein Schatten & Licht. Im Notfall ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar.