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Intimität und Sex

Intimität und Sex in der ersten Zeit nach der Geburt

Null Bock: sie.

Euer Kind ist geboren. Du hättest trotz des ganzen Trubels Lust auf Sex. Und deine Partnerin? Viele Frauen können sich nach der Geburt erstmal gar keinen Sex vorstellen. Geburtsverletzungen müssen heilen, der neue Körper irgendwie verstanden werden, der Fokus liegt woanders und auch hormonell bedingt haben (vor allem stillende) Frauen im Wochenbett keinen Bock auf Sex.

Null Bock: du.

Alle reden darüber, dass Frauen keine Lust auf Sex haben - aber mit schreiendem Baby, ohne Schlaf und diesem ganzen Chaos liegt auch dir nichts ferner als sexy time im Wochenbett? Können wir total verstehen und ist absolut normal.

Aber keine Angst, die Lust kommt zumeist von ganz alleine zurück.

90% der Paare haben in den ersten 3 Monaten nach der Geburt keinen Sex.

Verletzungen.

Einige Frauen haben Geburtsverletzungen an Damm, Vulvalippen und in der Vagina, die genäht werden müssen. Die Fäden werden im Wochenbett gezogen. Manchmal machen die Nähte aber auch nach dem Wochenbett noch Probleme, vor allem durch Schmerzen beim Sex. Gleitgel kann helfen. Wenn es trotzdem schmerzt, kann euch eure Hebamme weiter beraten.

Eure Beziehung.

Eure Beziehung verändert sich. In den ersten Monaten werdet ihr wahrscheinlich vor allem Eltern und weniger Paar sein, müsst viele Absprachen treffen und eure Bedürfnisse konkret formulieren. Kann erstmal ungewohnt sein und manchmal vermisst man den anderen auch ziemlich doll, obwohl man tagelang nebeneinander auf dem Sofa sitzt. Wird aber alles besser, versprochen.

Wann wieder? Die ehrliche Antwort

Es gibt keine Zahl. Keine Hebamme und kein Arzt wird dir sagen „ab Tag 42 darf wieder“. Die Antwort ist: wenn beide wollen und nichts mehr weh tut. Viele Paare warten, bis der Wochenfluss vorbei ist, weil die Wunde in der Gebärmutter bis dahin heilt, und bis die Nachuntersuchung bei der Frauenärztin war, die ungefähr sechs Wochen nach der Geburt ansteht.

Aber das ist ein Anhaltspunkt, keine Freigabe. Wenn deine Partnerin nach drei Monaten noch keine Lust hat, ist das genauso normal wie nach drei Wochen.

Was du tun kannst: nicht drängen, nicht schmollen, nicht zählen. Lust lässt sich nicht einfordern, aber sie lässt sich ermöglichen. Schlaf ist das beste Aphrodisiakum im ersten Jahr, kein Scherz. Wer das Baby nachts übernimmt, damit sie durchschläft, tut mehr für euer Sexleben als jeder Rotwein. Und wenn es dann losgeht: langsam, mit Gleitgel, und mit einem klaren „Stopp, wenn es weh tut“. Beim ersten Mal nach der Geburt muss nichts klappen. Es muss nur okay sein.

Nähe ohne Sex

Zwischen „gar nichts“ und „Sex wie früher“ liegt ziemlich viel, und das wird im Wochenbett gern vergessen. Nebeneinander einschlafen, statt jeder mit dem Handy. Zehn Minuten kuscheln, während das Baby auf dem Sofa schläft. Eine Hand im Nacken beim Stillen. Rücken kraulen, ohne dass es irgendwo hinführen muss. Das klingt nach wenig und ist genau das, was in dieser Zeit die Verbindung hält.

Für viele Frauen ist genau das die Voraussetzung, dass Lust überhaupt wiederkommen kann: Nähe, bei der sie nicht das Gefühl hat, dass es eine Vorstufe ist. Also meint es ehrlich. Und sagt es auch, wenn ihr euch gerade vermisst. „Ich vermiss dich, obwohl du hier bist“ ist ein guter Satz für Woche fünf.

Verhütung: ja, auch jetzt

Eine Sache, die viele Paare überrascht: Das Thema Verhütung steht nach der Geburt schnell wieder an, und zwar früher, als man denkt. Stillen allein ist kein Freifahrtschein, der Körper hält sich nicht an eure Planung. Was zu euch passt, hängt davon ab, ob gestillt wird, wie es ihrem Körper geht und was ihr vorhabt. Da gibt es keine Pauschalantwort, und wir geben auch keine. Fragt eure Hebamme. Die hat darauf die beste Antwort, und sie kommt sowieso.

Paar bleiben, während ihr Eltern werdet

Die größte Veränderung ist nicht der Sex, es ist die Beziehung drumherum. Ihr seid jetzt eine Organisation mit Schichtplan, Logistik und einem Chef, der schreit. Da bleibt für das, was ihr vorher wart, erstmal wenig Platz. Das ist nicht das Ende von euch als Paar, das ist eine Phase. Aber eine, die man aktiv überstehen muss, nicht einfach nur aussitzen.

Was anderen Paaren geholfen hat: Einmal am Tag fünf Minuten reden, in denen es nicht ums Baby geht. Einmal die Woche ein Abendessen zu zweit, auch wenn das Baby daneben schläft und es Pizza ist. Sagen, was man braucht, statt zu warten, dass der andere es merkt, denn der andere merkt gerade gar nichts, der ist auch müde. Und sich gegenseitig zugestehen, dass beide gerade ihr Bestes geben, auch an den Tagen, an denen das Beste ziemlich wenig ist.

Und irgendwann, in ein paar Monaten, sitzt ihr nebeneinander auf dem Sofa, das Baby schläft, und einer von euch guckt den anderen an. Dann wisst ihr, dass es wieder losgeht. Wird aber alles besser, versprochen. Steht oben schon, stimmt trotzdem.

Was du konkret tun kannst:

  • Nicht drängen, nicht zählen. Lust kommt zurück, wenn der Druck weg ist.

  • Nähe ohne Hintergedanken anbieten, jeden Tag ein bisschen.

  • Beim Thema Verhütung und Schmerzen beim Sex: eure Hebamme fragen, nicht das Internet.

FAQ

Fragen, die Väter googeln

Wann kann man nach der Geburt wieder Sex haben?

Wenn beide wollen und nichts mehr weh tut. Eine feste Regel gibt es nicht. Viele Paare warten, bis der Wochenfluss vorbei ist und die Nachuntersuchung war. 90% der Paare haben in den ersten 3 Monaten nach der Geburt keinen Sex. Ihr seid also in guter Gesellschaft.

Warum hat meine Partnerin nach der Geburt keine Lust auf Sex?

Geburtsverletzungen müssen heilen, der neue Körper muss verstanden werden, der Fokus liegt auf dem Baby, und die Hormone, vor allem beim Stillen, drehen die Lust runter. Das ist normal, nicht persönlich und geht vorbei.

Ist es normal, dass ich als Vater keine Lust auf Sex habe?

Absolut. Schreiendes Baby, kein Schlaf, Chaos: Da liegt auch dir nichts ferner als sexy time. Können wir total verstehen. Die Lust kommt zumeist von ganz alleine zurück, bei dir und bei ihr.

Muss man nach der Geburt verhüten?

Das Thema steht auch im Wochenbett an, und zwar früher, als viele denken. Was zu euch passt, hängt von Stillen, Körper und euren Plänen ab. Fragt eure Hebamme, die hat darauf die beste Antwort.